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Pascal 02.11.97, 03.04 Uhr

von Judith

Mein Privatarzt, Gynäkologe aus Zürich, hat mich für die letzten Untersuchungen vor der Geburt meines zweiten Kindes ans Spital Männedorf überwiesen, damit die Ärzte, das Pflege-Personal und ich uns gegenseitig kennen lernen könnten.

Ein erster Assistenzarzt untersuchte mich sehr kompetent und gefühlvoll. Ich erzählte ihm von der sehr schweren Geburt meines ersten Sohnes vor ca. zwei Jahren, vom schwierigen Durchtritt des relativ grossen Kopfes und meinen Ängsten, dass sich die ganze Geschichte wiederholen könnte. Er schrieb alles in die Krankengeschichte.

Geburt

Am 01.11.97 um ca. 21.00 Uhr brach das Fruchtwasser. Um ca. 22.30 sind wir im Spital Männedorf eingetroffen.

Im Geburtssaal sind wir von einer Hebamme empfangen worden, doch es war sogleich Schichtwechsel, so betreute uns die nächste diensthabende Hebamme weiter.

Jemand sagte noch, ein Ultraschall sei nicht nötig, mein Gynäkologe habe sicher genügend Ultraschall gemacht. Bei der Geburt war noch eine weitere Assistenzärztin anwesend, sie wurde uns aber nicht vorgestellt!

Nachdem immer wieder der Herzton-Wehenschreiber aussetzte, was uns sehr verunsicherte, erklärte man uns nach mehrmaligem Fragen lediglich, dies sei ein Wackelkontakt!

Irgendwann fragte eine Hebamme die Assistenzärtin, ob man noch lange warten wolle – diese antwortete: „Wieso fragst du mich, dies ist meine erste Geburt“ !

Ich fand diese Antwort nicht sehr vertrauenerweckend.

Sie entschieden sich dann, eine Oberärztin zu rufen. Ich weiss heute nicht mehr, wie lange es dauerte, bis sie eintraf, es dünkte mich eher lange. Jedenfalls legte sie sich mir nach ihrem Eintreffen ohne Vorwarnung quer zu meinem Körper mit ihrem ganzen Gewicht über den Bauch und probierte so, den letzten Rutsch der Geburt noch auszulösen. Ich weiss nur noch, dass ich bei dieser Aktion zum ersten Mal laut schrie!

Sie entschuldigte sich sofort. Sie entschlossen sich daraufhin, eine Vakuumgeburt zu organisieren. Danach ging alles sehr schnell.

Plötzlich war Pascal da und es ging ihm gut. Alle waren glücklich. Die Geburtshelfer waren alle erstaunt, dass er ein „Sterngucker“ war, dass er also mit der Stirn voran, mit dem Gesicht nach oben geboren wurde.

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Nach der Geburt:

Die Oberärztin sagte mir nach der Geburt, dass ich einen sehr grossen Schnitt und einen sehr grossen Riss habe. Über etwelche Folgen klärte mich allerdings niemand auf.

Nach einer Infektion im Wochenbett noch im Spital ordnete man „10-minütige Sitzbäder in Betadine“ an. Ich weigerte mich nach zwei Versuchen, damit fortzufahren, weil ich es vor Schmerzen nicht aushielt. Danach stellte man mir einen Closomaten zur Verfügung, worüber ich sehr froh und dankbar war.

Wieder zu Hause, stellte ich fest, dass ich stuhlinkontinent war. Bei Nachkontrollen bei derselben Oberärztin/Gynäkologin (der genaue Zeitpunkt ist mir entfallen) sagte mir die Ärztin, dass dies von der Hormonumstellung nach der Geburt kommen könne. Im Januar 1999, also mehr als ein Jahr nach der Geburt, überwies sie mich dann an einen anderen Arzt, der das mit Elektroschocks wieder „beleben“ könne!?

Mein Leben wurde immer mehr zum Märtyrium, immer mit der Angst im Nacken, seine Spuren zu hinterlassen, sei es stinkend oder sichtbar! In der Badi war es schwierig, sich ungezwungen zu bewegen, in hellen Kleidern konnte ich mich sowieso nicht mehr sehen lassen. Ich fühlte mich in meiner Lebensweise sehr eingeschränkt, eigentlich treibe ich gerne und viel Sport, was aber mit dieser Behinderung nur sehr gehemmt möglich war.

Ich fühlte mich Depressionen sehr nahe. Vor allem auch, weil ich mich von all den beteiligten Ärzten absolut nicht ernstgenommen fühlte.

Erst nach vielen Eigeninitiativen fand ich einen kompetenten Arzt (es gibt in der Schweiz meines Wissens nur drei Spezialisten), der mir operativ half, den bei der Geburt bis auf 10% beschädigten After-Schliessmuskel wieder herzustellen.

Seither erhole ich mich langsam von all den traumatischen Erlebnissen rund und vor allem nach der Geburt.

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Auch an den finanziellen Folgen des ganzen Debakels haben wir lange getragen, die da unter anderem wären:

Selbstbehalte und Franchisen von diversen Arztbesuchen

Viele Binden, um den Schaden in Grenzen zu halten.

Zu erneuernde Unterwäsche, die ich wegen der Spuren nicht mehr tragen kann

1 Woche Ferien meines Mannes während des Spitalaufenthaltes bei der Wiederherstellungsoperation.

Selbstbehalt dieses erneuten Spitalaufenthaltes.

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Fragen, die sich mir immer wieder stellen:

Warum unterstellte man einem nicht anwesenden Arzt, genügend Ultraschall gemacht zu haben, und verpasste so Wesentliches?

Warum machte man vor der Geburt, im Wissen um meine Vorgeschichte bei der ersten Geburt, nicht einen zusätzlichen Ultraschall? Dabei wäre der „Sterngucker“, der das Ganze noch erschwerte, sicher festgestellt worden. So wäre es für einen Kaiserschnitt noch nicht zu spät gewesen.

Warum klärte mich niemand über die Folgen des grossen Risses auf? Getraute man sich nicht, den entstandenen Schaden beim Namen zu nennen?

Was hat die Hormonumstellung mit meinem Darmausgang zu tun?

Warum ist während der ganzen Geburt eine mir unbekannte Ärztin dabei, die aber bei einem Problem nicht reagieren kann? Wir wurden über ihre Anwesenheit weder informiert noch gefragt, ob wir Einwände gegen ihr Dabeisein hätten.

Warum sagte man uns erst im Oktober 1999 rein zufällig, dass unser Sohn bei der Geburt die Nabelschnur um den Hals hatte?

Wieviel an den ganzen traumatischen Erlebnissen ist auf ärztliche Fehler zurückzuführen? Und wieviel auf Unsorgfalt oder Vertuschung?

Warum verkrampfte man sich auf möglichst wenig Ultraschall und möglichst viel Natur? Zurück zur Natur! Schon, aber bitte nicht um jeden Preis!!

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Update: 29.03.2006