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Wassergeburt im Paracelsus - Spital
in Richterswil, Zürich (CH)

 

Die Geburt meines 2. Kindes sollte ganz anders werden. Diesmal wollte ich gebären und zwar in «Eigenregie». In noch sehr lebhafter Erinnerung war mit der 30-stündige Marathon bei der Geburt meiner Tochter vor 3 ½ Jahren in einem konventionellen Spital. Damals fühlte ich mich so vereinnahmt und verunsichert, dass ich nur noch in der «liegenden» Lage war, mit mir machen zu lassen. Nun aber wollte ich machen.

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Soeben im Wasser geboren

 

ein weiteres Föteli

Der Entscheid für das Paracelsus - Spital fiel auch nach längerem Ringen mit der Krankenkasse, die die Kosten für ein Geburtshaus (speziell jenes in Wald, mit Wochenbett - Aufenthalt) nur zum Teil übernehmen wollte. Die Alternative Richterswil erschien mir deshalb als ein annehmbarer Kompromiss zwischen Geburtshaus und Spital. War ich doch auch nach einer vorangehenden Besichtigung sehr angetan von der schönen Lage am See und speziell von den Holzwiegen mit Baldachin für die neugeborenen Erdenbürger. Dazu kam noch, dass ich mit der antroposophischen Medizin und der sie praktizierenden Ärzten sehr gute Erfahrungen gemacht hatte. So konnte es nun losgehen.

Bei meinem Eintreffen in der Nacht nach dem errechneten Geburtstermin wurde ich direkt am Eingang von meiner Hebamme empfangen. Kein Warten, kein Liftfahren, keine Hektik. Ganz ruhig und fast heimelig war das Paracelsus - Spital um halb drei Uhr morgens. Auch das Geburtszimmer wirkte mit seinem gedämpften Licht sehr beruhigend. Kein Arzt wartete und auch später kam keiner, der mich auch noch mal schnell untersuchen wollte. Auch die Hebamme war sehr rücksichtsvoll und fragte mich zuerst, ob ich es lieber hätte, gleich untersucht zu werden, oder ob ich sie vorher erst noch ein bisschen kennenlernen wollte. Ich war völlig verblüfft ob dieser Frage, kannte ich doch aus meiner ersten Erfahrung nur eine kurze Vorwarnung vor dem nächsten, schmerzhaft häufigen Untersuch.

Nach der Bestätigung des Blasensprungs und dem Feststellen einer 7cm-Oeffnung des Muttermundes (welches ich erst nach mehrmaliger Bestätigung glauben konnte, hatte ich doch den ganzen vorangehenden Tag nur leichte Wehen verspürt) wurde mir ein CTG gemacht. Danach sah ich den ungeliebten «Bauchgürtel» nicht mehr. Ich verspürte den Wunsch, ein entspannendes Bad zu nehmen und als ich in die Wanne stieg, fühlte ich mich darin so wohl, dass ich beschloss: «Hier bringt mich keiner mehr raus». Mit meinem Teetablett am Wannenrand in einem türkisblauen Luftkissen «hängend» kam ich mir fast vor wie in den Ferien. Meine anfängliche Irritation darüber, dass mir die Hebamme gar keine Anweisungen - nur 2/3 Mal einen Tip - gab, wich bald meinem immer stärker werdenden Selbst - Körperbewusstsein und mein Vertrauen in mich wuchs stetig. In den Wehenpausen plauderte ich mit der Hebamme und meinem Freund, als hätten wir uns zum nächtlichen Kaffeekränzchen getroffen. Knapp 2 Stunden nach meinem Eintreffen in Richterswil wurde meine 2. Tochter geboren. Nach ca. 10 Minuten Presswehen, während denen ich ganz genau spürte, wie mein Kind langsam nach aussen drängte, während denen mir die Hebamme nur ab und zu ruhig sagte: «Lönd sies abe», was ich dann auch tat und was mir viel mehr half als die Press - Befehle bei meiner 1.Geburt. Dann war es geschafft - ich hatte es geschafft und war unheimlich stolz und glücklich.
Nach weiteren 20 Min. im Pool wurde auch die Placenta ins Wasser geboren.

In der Zwischenzeit war auch der leitende Gynäkologe eingetroffen. Hatte aber erstmal nach kurzem Gratulieren ganz zurückgezogen in der Ecke sitzend gewartet, bis ich zum Ausstieg aus der Wanne bereit war. Erst dann, nach ca. 20 Min. bot er an, meine Tochter zu untersuchen. Als dies geschehen war, wurde auch ich noch mit einer kleinen Naht versorgt, aber erst, nachdem er mein Einverständnis dazu geholt hatte.

Die ersten Stunden nach der Geburt verliefen zwischen Schlafen und Wachen und immer wieder Staunen meinerseits ob diesem wunderbaren Erlebnis, das genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte abgelaufen war. Am Morgen war ich dann nach einer Dusche und dem Frühstück so fit, als hätte ich 8 Stunden geschlafen und könnte gleich zu einer Wanderung aufbrechen.

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Das erste Kennenlernen von Mutter und Kind

zum 1. Bild hinauf

Dieses Gefühl blieb auch während der nächsten 6 Tage, die ich im Paracelsus - Spital bleiben durfte. Ich hatte keine Wochenbett - Depressionen und fühlte mich eher wie ein Feriengast in dem kleinen 2-Bettzimmer, das ich zum Teil sogar alleine bewohnte. Die Aussicht auf den See und die liebevolle Betreuung durch das Pflegepersonal taten das ihre dazu. Die Mahlzeiten waren immer sehr schmackhaft - Vollwertkost - und wahre Energie - Lieferanten. Kleinere und grössere Beschwerden wurden vor allem mit bewährten Hausmitteln, homöopathischer und antroposophischer Medizin gelindert. Am Schönsten war natürlich, dass auch die Wochenbett - Betreuung durch die Hebammen stattfand. So entstand auch die Gelegenheit, nochmals mit meiner Hebamme zu sprechen, das gemeinsame Geburts - Erlebnis nochmals aufleben zu lassen, Fragen, die im nachhinein entstanden waren, zu klären und auch einander gegenseitiges Lob auszusprechen. Mit der mir anfänglich sehr unvertrauten Wickel - Methode:Stoffwindeln, Schlüttli und Umtuch hatte ich meine liebe Mühe, gewöhnte mich dann aber daran, muss aber gestehen, dass ich zu Hause nach wenigen Tagen wieder zu den bewährten Pampers und Strampler griff. Und nur das Umtuch noch öfters zum Einsatz kam, wenn es darum ging, meine kleine Tochter zu beruhigen und ihr etwas von der vertrauten alten Umgebung wiederzugeben.

Überhaupt war die Betreuung der Neugeborenen durch das Hebammen eine ganz andere, viel persönlichere. Geht man doch in der antroposophischen Medizin davon aus, dass jeder Mensch in sein neues Leben schon etwas mitbringt. Mit diesem Respekt der neuen/alten Seele gegenüber hatte ich auch als zum 2. Mal Mutter gewordene einen anderen Zugang zu meiner neuen Tochter. Diesen konnte ich auch mit nach Hause nehmen, zusammen mit der Erinnerung an ein/mein einmaliges Geburtserlebnis.

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Update: 16.06.2008