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Jan-Philipp, 01.04.2000, Klinikgeburt

von  Chrissie

Donnerstag 30.03.00

Den ganzen Tag über verliere ich geleeartiges bräunliches Zeug. Gegen Abend sogar ein etwas größere Stückchen. Ich denke das dies wohl der Schleimpfropf war und hoffe das es bald losgeht. Ein erholsames Bad gönne ich mir noch. Dabei fange ich an zu heulen, denn morgen soll ich um 13.00 Uhr zum Wehenbelastungstest (dabei hasse ich Nadel - vor allem im meinem Körper). Den dicken Bauch streichelt versuche ich meinen Zwerg davon zu überzeugen, das es auch ohne gehen kann. Ich erhalte allerdings keine Reaktion. Es passiert nichts.

Freitag 31.03.00

Heute ist der letzte Tag um eine März-Mami zu werden. Um 7.30 Uhr bemerke ich die ersten Wehen. Sie kommen ca. alle 8-10 Minuten. In der Wanne sollen Sie angeblich stärker werden, also ab ins warme Nass. Die Wehen werden stärker. Um 9.00 Uhr rufe ich meine Mum an. Sie wollte sich gleich mit meinem Bruder treffen und ihm sein (und meine) Geburtsklinik (heute Uni-Gelände) zu zeigen. Eine halbe Stunde später ist Sie da. Nachdem ich mich ein paar mal übergeben habe entschließe ich mich mitzugehen, denn auch Spazieren gehen soll ja bekanntlich fördernd sein. Wir treffen um 11.00 meinen Bruder. Es ist schon komisch, wenn in dem Raum indem man geboren ist, ein Schreibtisch mit mehreren Computer steht und das ganze nicht mehr einer Klinik ähnelt. Die Wehen werden schwächer und verschwinden ganz.

13.00 Wehenbelastungstest

Ich werde ans CTG angeschlossen und es zeigt doch noch freiwillig eine mickrige Wehe. Um den Test komme ich nun nicht mehr rum.

Ich werde an den Tropf angeschlossen. Erst 3 ml, in einer halben Stunde soll auf 6ml erhöht werden. Ursula (Hebamme Nr.1) kenne ich ja schon aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Sie weiß das ich eigentlich eine Mimose bin und es schnell hinter mich bringen will. Sie kommt 10 Minuten später rein und dreht den Tropf höher. Auf das es voran geht. Der Tropf wird noch mehrere Male höher gedreht bis die Wehen wirklich regelmäßig und ganz doll spürbar sind. Gegen 15.30 darf ich die Klinik wieder verlassen , ich hätte auch laut Cecilla (Hebamme Nr.2) gleich dableiben können. Ich entschließe mich die Wehen, die mittlerweile alle 5 Minuten da sind weiter zu Hause zu veratmen. Schließlich soll die ganze Familie was davon haben. Mein Bruder schaut mich hilflos an und seine Hilflosigkeit macht ihm so zu schaffen, das er lieber nur zwischen durch mal schaut wie es mir geht. Seiner Freundin geht es ähnlich und ich glaube das Thema "Kinder kriegen" hat sich zumindest für heute für Sie erledigt. Um 18.30 Uhr geht’s wieder in die Klinik, da ich um 19.00 Uhr wieder zur Kontrolle da sein soll. Das CTG zeigt regelmäßige Wehen an und der Muttermund ist auch schon 2 cm auf. Diesmal bleibe ich da. Ich teste sofort die große Badewanne, denn eigentlich will ich mein Kind dort zur Welt bringen. Um 21.00 Uhr komme ich wieder ans CTG. Trotz Wehen zeigt dieser nun keine mehr an. Der Muttermund ist 2-3 cm auf. Die neue Hebamme kommt gegen 22.00 Uhr sich vorstellen. Milla (Hebamme Nr.3) schließt um 23.00 mich noch mal ans CTG an. Es zeigt wieder keine Wehen an, obwohl ich Sie deutlich spüre. Ich beginne an mir zu zweifeln. "Kann ich diesen Körper umtauschen, dieser scheint kaputt zu sein" schießt es mir durch den Kopf. Wenigsten ist der Muttermund schon 3- 4 cm auf.

 

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Geburt

Samstag 01.04.00

Willkommen im April. Ich gehe noch mal baden. Leider habe ich es mir etwas zu warm gemacht und so bin ich eine halbe Stunde später schon wieder draussen. Um 2.00 Uhr kommt ausnahmsweise mal ein Arzt vorbei. Er teilt mir mit das, das heute Nacht wohl nichts mehr gibt und ich solle lieber versuchen zu schlafen. Es würde nichts bringen, wenn ich bei der Geburt total übermüdet wäre. Ich solle lieber Kraft sammeln. "Sehr witzig mit Wehen". Am Morgen würde man dann etwas massiver vorgehen und auf jeden Fall würde ich heute abend meinen Zwerg im Arm halten dürfen. Zum Glück habe ich Musik mit, bei der man auf jeden Fall einschläft. Also legen mein Mum und ich uns hin. Die Wehen werde auch schwächer und kommen nur alle 20 Minuten. Das gibt Gelegenheit tatsächlich ein wenig die Augen zuzumachen. Als mich um 4.00 Uhr eine Wehe überrollt weiß ich gar nicht wie mir geschieht. Sie tut so weh und ich bemerke das da noch etwas mitkommt. Es wird nass. "Ich hoffe nur das dies die blöde Fruchtblase war, denke ich. Im abgedunkelten Kreissaal blicke ich nach unten. Dort ist ein riesiger Blutfleck. Panik!! Heulend mache ich meine Mum wach, die dann mit einem total zerknautschten Gesicht die Hebamme holt. Es kommt mir vor wie Stunden und die ganze Schwangerschaft zieht an meinem inneren Auge ab. Milla kommt und beruhig mich. Das war nun endgültig der Schleimpfropf. Ich hätte nicht gedacht, das ich mit soviel "verschlossen" war. Der Muttermund ist mittlerweile gut 5 cm auf. Prima das heißt ja das mein Zwerg noch nicht aufgegeben hat. Das CTG sieht auch prima aus, nur Wehen zeigt dieses blöde Teil mal wieder nicht an. Nach dem meine Mum und ich ein paar Gedanken ausgetauscht haben, ist der Schock schon fast vergessen - na ja bei Seite gelegt, denn vergessen werd ich das wohl nicht. Im andern Kreissaal liegt nun noch jemand, also bin ich nicht die einzige. Eine halbe Stunde später höre ich ein Baby schreien. Die im Nebenzimmer hat es geschafft. Zweifel!? Irgendetwas mache ich (bzw. wir) falsch. Um 7.00 Uhr ist mal wieder Schichtwechsel. Doris (Hebamme Nr.4) weiß das ich im Wasser entbinden will. Sie rät mir zu einem weiteren Bad. Dies soll definitiv mein letztes sein. Sie gibt mir homöopatische Mittel damit die Wehen richtig in Gang gesetzt werden soll. Die nehme ich alle halbe Stunde. Es tut sich allerdings nicht. Mein Zwerg spielt inzwischen gemütlich verstecken und Doris versucht mit dem CTG hinterher zu kommen. Aber jedes mal wenn ich mich bewege oder "draussen" etwas passiert, wechselt er auch die Lage. Der Muttermund ist jetzt 5-6 cm auf. Bis 10.00 Uhr wird es noch so probiert. Als das alles nichts mehr bringt muss ich mich von dem Gedanken an die Wassergeburt trennen. Langsam bin ich auch ziemlich fertig und vergesse teilweise die Wehen anständig zu veratmen. Meine Mum versucht mir Anweisungen zu geben, WAS ist egal, es tut gut Ihre beruhigende Stimme zu hören. Von mir aus hätte Sie mir auch ein Märchen vorlesen können oder ähnliches. Das CTG zeigt mal wieder, trotz schmerzen, keine Wehen an. Doris legt ihre Hand auf meinen Bauch und gibt mir Recht. Da sind Wehen! Aber das reicht alles nicht. Da brauchen wir mehr. Der Wehentropf muss nun ran. Allerdings muss dann auch ne PDA ran. Na dann "Prost Mahlzeit". Der Narkose Arzt kommt und fragt mich ob wir es im liegen oder im sitzen machen sollen. Wir entschließen uns fürs liegen. Ich lege mich seitwärts auf die Bettkante. Der Rücken wird mit diesem kalten Zeug eingesprüht. Und er fängt an die Spritzte zu setzten. Hinter mir höre ich komische Geräusche, aber wenigstens merke ich nichts. Als er fast fertig ist und nur noch wenige Millimeter fehlen, ist die Sache ihm nicht geheuer. Durch mein Hohlkreuz kommt er nicht richtig dran. Das wäre jetzt Maßarbeit und wenn mich dann ne Wehe überrollt - das ist zu gefährlich. Also das ganze noch mal - diesmal im Sitzen. Er bereitet alles noch mal vor. Diesmal sehe ich auch was dafür alles nötig ist. Das Tablett steht genau vor mir. Man was war ich froh, das ich das nicht von Anfang an alles gesehen habe. Meine Mum versucht noch mich aufzuheitern und weißt mich darauf hin das ich doch endlich mal nen Arzt im Bett habe. Gott sei dank verstehen dort alle sehr viel Spaß, ansonsten wäre ich wohl schon vor Stunden nach Hause gegangen. Der Arzt fragt mich ob ich schon weiß was es wird und versucht mich so abzulenken. Natürlich weiß ich was es werden soll : EIN BABY! Nachdem wir uns alle ziemlich belustigt hatten, ging’s mir wieder richtig gut. Die Narkose wirkte, der Wehentropf lief und ich merkte gar nichts. Der Muttermund war mittlerweile schon 8-9 cm auf und die Fruchtblase hatte ich wohl beim baden verloren. Gegen 12.30 gingen die Herztöne von meinem Zwerg runter auf 80. Doris ging raus und rief den Arzt von Station an. Wahrscheinlich hoffte Sie das ich davon nichts mitkriegte. Aber ich war schon so daneben, das ich ignorierte das es um mein Zwerg geht. Der Arzt kam, sah auf das CTG und sagte nur das sieht aus wie ein Nabelschnurvorfall. Er würde schon mal vorsichtshalber den OP klar machen, denn da wäre ja ein Kaiserschnitt angebracht. "Das kann er doch nicht machen, weiß der gar nicht wie lange ich das hier schon mitmache?!" Doris hatte erbarmen mit mir. Der Muttermund war vollständig geöffnet, das einzige Problem war nur, das mein Zwerg mit dem Versteckspiel nicht aufgehört hat und nicht vor der Öffnung lag. Es machte auch keine Anstallten sich in den Geburtskanal zu begeben. Da hilft nur eins :PRESSEN. Ich gab mein bestes aber ausser das ich einen roten Kopf bekam bemerkte ich nicht viel. Allerdings merkte mein Zwerg wohl nun was da läuft und so beschloss es mal mitzumachen und begab sich auf den Weg. Doris meinte, das Sie es schon sehen können. Ich hätte jetzt gerne neben mir gestanden und auch mal geschaut. Aber ich hatte halt den schlechtesten Sitz- bzw. Liegeplatz in diesem Kreissaal. Ich versuchte weiter zu pressen, aber irgendwie staute sich das alles in meinem Kopf. Meine Mum erinnerte mich daran auch vielleicht mal zu schreien, das wäre ja einfacher. Ich hoffe das Krankenhaus ist gut isoliert gewesen ansonsten sind bestimmt einige Leute aus ihrem Bett gefallen. Ich schrie also was die Lunge so hergab - bis ich mich verschluckte und anfing zu husten. Doris meinte das wäre prima. Endlich würde die Luft da ankommen wo sie hin soll. Der Hinterkopf war draussen und ich durfte fühlen. WAHNSINN!! Es hatte schon Haare. Aber ich wollte alles!! Beim nächsten Male soll ich die Augen aufbehalten, denn jetzt wird’s richtig interessant. Also hustete ich bei der nächsten Wehe weiter. Als der Kopf draussen war, durfte nicht weiterpressen, da mein Zwerg sich die Nabelschnur zweimal um den Kopf gelegt hatte und Doris diese erst entwirren musste. Ich hustete noch einmal und da lag mein Zwerg um 13.06 auf dem Bett. Er war zwar schon blau angelaufen, hat aber sofort gebrüllt. Doris legt ihn mir auf die Brust, von der er mit der Zeit hoch zum Hals rutschte, bis ich schließlich seine kleine Hand mitten in mein Gesicht bekam. Meine Mum schnitt die Nabelschnur durch und trennte somit zwei Generationen.

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Nach der Geburt: Leider war ich gerissen und so musste ich noch genäht werden. Der Arzt kam und deckte alles steril ab und als er loslegen wollte, ging sein Pieper los. Notfall auf der Station. Und so lag ich dort, festgeschnallt auf diesen blöden Schienen. Nach einiger Zeit kam er wieder und wir mussten von vorne anfangen, da die Elke (Hebamme Nr.5) mich von den Fesseln befreit hatte und mich zugedeckt, denn ich spürte da unten noch nichts durch die PDA.

Leider ging auch diesmal wieder sein Pieper und so musste er es wieder verschieben. Gegen 17.00 Uhr wurde ich dann endlich genäht und war pünktlich zum Abendessen auf meinen Zimmer. Meine beste Freundin war inzwischen schon da und der Reste der Familie trudelte auch noch ein. Und mein Sohn war die ganze Zeit wach. Dafür hat er auch die ganze erste Nacht durchgeschlafen.

ES HAT SICH GELOHNT UND DIE SCHMERZEN WAREN SCHNELL VERGESSEN - UND ICH WERDE ES WIEDER TUN

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Update: 20.04.2005