|
3:30
Uhr
Der Wecker klingelt. Ich stehe auf, zieh mich an und mache mich auf den Weg zur Küche um meinen allmorgendlichen Kaffee zu genießen. Da es morgens in unseren Regionen noch ziemlich kalt ist will ich mir noch einen Pullover aus dem Kleiderschrank holen. Ganz leise, um Carmen nicht zu wecken mache ich mich am Kleiderschrank zu schaffen da hörte ich Carmens Stimme: „Welche Tour musst du denn heute fahren?“ fragte sie mich. Ich gab ihr zur Antwort das ich heute in Waldshut unterwegs sei. Da merkte ich erst das sie außergewöhnlich wach geklungen hat für halb vier am Morgen. Hm meinte sie, ich glaube nämlich das es heute los gehen könnte. Mir stecke ein Klos im Hals. Sollte es tatsächlich soweit sein das unsere Tochter heute zur Welt kommt. Ich war ganz aufgeregt. Was tun dachte ich.
In Freiburg wartete ein vorgeladener LKW darauf von mir gefahren zu werden. Abfahrt wäre um 5:00 Uhr. Nur um diese Zeit ist im Betrieb noch niemand dem ich hätte Bescheid geben können. Und die Kundschaft will auf ihre Ware nicht warten.
Carmen lies zwischenzeitlich mal ein Bad ein um zu sehen ob es wohl hinterher besser gehen würde oder ob sich alles etwas verschlimmert. Nach 15 Minuten im Wasser stellte sie fest das es doch das Beste wäre wir würden in die Klinik fahren. OK dachte ich, dann rufe ich meinen Arbeitskollegen an.
nach oben
4:00 Uhr
Jetzt klingelte bei Laurent ( er wurde ebenfalls vor kurzem Vater) das Telefon. Ich schilderte ihm mein Problem und er sagte kurzerhand zu die Tour zu übernehmen. So, die erste Hürde war genommen. Daraufhin rief Carmen in der Klinik an um uns (noch zwei) anzumelden. Ich wollte das Badewasser noch ablassen doch Carmen meinte das wäre zu laut und ihre Eltern würden geweckt werden. Auch einen Zettel worauf stand das wir in der Klinik sind brauchte ich nicht hinzulegen. Um fünf Uhr fuhren wir dann los.
nach oben
5:30 Uhr
Krankenhaus/Entbindungsstation
Von der Krankenschwester wurden wir in den Kreissaal geführt. Ein großes rundes Bett, Maschinen und ein Schreibtisch standen darin. Im Nebenzimmer war die Toilette und eine Badewanne. Die Schwester fragte nach Carmens befinden. Carmen erklärte das sie der Meinung wäre die Wehen hätten eingesetzt. In einem Abstand von 6 Minuten. Die Schwester sagte sie würde jetzt die Hebamme anrufen welche dann kommen würde. Dann ging es los mit dem Warten. Carmen wollte nicht laufen oder stehen. Sie legte sich auf das Bett.
nach oben
6:00 Uhr Kreissaal
Ich konnte jetzt versuchen meinen Chef zu erreichen. Der war allerdings noch nicht da und so sagte ich einer Mitarbeiterin aus dem Büro Bescheid das ich heute nicht zur Arbeit kommen würde weil die Geburt unseres Kindes bevorstand.
Kurz darauf kam dann die Hebamme. Sie stellte sich uns kurz vor und fing dann auch gleich mit der Untersuchung an. Während der Untersuchung bat mich Carmen doch zu schauen ob ich irgendwo in der Stadt einen Bäcker finden würde der schon was verkauft. Da fiel mir auf das auch ich noch nichts gegessen hatte und ich marschierte los. Nach gut 20 Minuten war ich wieder da. Schokobrötchen und Butterbrezeln hatte ich gekauft. Doch zwischenzeitlich servierte man auch Carmen ein Frühstück mit Brötchen, Käse, Wurst, Marmelade und Frischkäse. Dazu ein Kännchen Kaffee. Der war allerdings für mich derweil Carmen lieber Tee wollte. Sie erzählte mir dann von der Untersuchung wo die Hebamme feststellte das der Muttermund sich zwei bis drei Zentimeter geöffnet habe und die Herztöne völlig normal seien. Die Hebamme meinte das wir ruhig noch umherlaufen könnten um den Geburtsvorgang einzuleiten. Gesagt, getan. Vorsichtig und leicht gekrümmt setzte Carmen ein Fuß vor den anderen bis wir schließlich im Hof des Krankenhauses waren. Dort genoss ich eine Zigarette und ein Schokobrötchen. Anschließend gingen wir zur Pforte um die Formalitäten zu erledigen. Carmen war es nun gar nicht mehr nach laufen. Sie wollte lieber liegen und auf die nächste Wehe warten.
nach oben
7:30 Uhr bitte warten!
Um 8:00 Uhr hieß es, sollte der Arzt dann kommen um Carmen genauer zu untersuchen. Die Zeit bis dorthin war schon ziemlich schmerzhaft für Carmen. Geschüttelt von Wehen verbunden mit heftigen Schmerzen fieberte sie der Zeit bis zum Erscheinen des Arztes entgegen. Als dieser dann kam stellte er fest das der Muttermund noch immer nur 3 Zentimeter geöffnet wäre. Wir sollten uns auf einen längeren Tag einstellen und darauf das die Schmerzen erst der Anfang wären. Es würde noch ziemlich heftiger kommen. Als er weg war wurden die Abstände zwischen den Wehen kleiner und die Wehen selbst schmerzhafter. Während den Wehen massierte ich Carmens Rücken. Es schien ihr dabei etwas besser zu gehen. Als die Schmerzen dann so heftig wurden das Carmen glaubte es nicht mehr auszuhalten klingelten wir der Hebamme. Diese kam dann auch prompt und bot Carmen ein Schmerzmittel an. Carmen nahm dankbar das Angebot an und bekam die ersehnte Spritze. Die Hebamme untersuchte auch gleich nochmals den Muttermund und bemerkte anschließend das er mittlerweile ca. 5 Zentimeter geöffnet sei. Nach der Spritze ging es Carmen wieder einigermaßen gut. Der Arzt kam auch hinzu und schaute sich das ganze nochmals an und stellte fest das es noch etwas dauern könnte bis es richtig zur Sache gehe. Dann zog er sich einen Handschuh an und durchstach mit dem Finger die Fruchtblase. Das Fruchtwasser strömte heraus. Das war der Anfang! Er meinte zur Hebamme sie solle ihn anpiepsen wenn es soweit wäre. Diese Gelegenheit nutzte ich um mir eine Zigarettenpause zu gönnen.
nach oben
9:00 Uhr immer noch Kreissaal
Kurz darauf ging ich wieder in den Kreissaal. Die Hebamme war auch wieder da und unterstützte Carmen die auf einem Hocker neben dem Bett saß. Zwischenzeitlich wurden die Schmerzen wieder so stark das Carmen leicht zu schreien anfing. Durch die hockende Stellung begann sie auch zu pressen. Nach einigen Wehen in dieser Stellung forderte die Hebamme Carmen auf sich jetzt besser aufs Bett zu legen. Dies tat sie dann auch. Noch kürzer die Abstände und schmerzvoller die Wehen. In dem Moment wo so eine Wehe wieder anrollt hatte ich Gewissensbisse wie nie. Ich konnte Carmen die Schmerzen nicht abnehmen. Ich hätte es sofort getan wenn ich hätte können. Aber in diesem Moment ist man(n) machtlos. Ich konnte ihr nur helfen sie zu beruhigen und zu entspannen durch streicheln und massieren, durch trocken tupfen der Stirn und sie halten.
Als Carmen dann auf dem Bett lag untersuchte die Hebamme sie nochmals und stellte erstaunt fest das der Muttermund fast ganz geöffnet ist. Die Hebamme beschloss den Arzt herbei zu rufen weil es zum Endspurt ginge. Carmens Schreie wurden jetzt auch richtig laut und ich hatte den Eindruck sie würde gleich ohnmächtig. Ich hielt ihre Hand. Sie suchte nach halt und schrie und krümmte sich vor Schmerzen. Die Hebamme redete ihr gut zu das sie alles genau richtig machte und so weiter machen sollte. Dann kam der Arzt. er schaute kurz und meinte das es gleich soweit wäre. Er zog sich einen Plastikumhang an und setzt sich vor Carmen. Als wieder eine heftige Wehe einsetzte schrie Carmen so laut sie nur konnte. Krümmte sich und presste. Nachdem die Wehe am abklingen war sagte der Arzt das Carmen die Energie die sie fürs schreien nahm besser ins Becken verlagern sollte um so mehr und heftiger zu pressen. Ich merkte das Carmen das als Kritik aufnahm und ahnte was gleich kommen würde. Wieder kam eine Wehe. Doch Carmen schrie nicht. Sie biss sich auf die Zähne und drückte alle Kraft nach unten. Dann hörte ich den Arzt sagen sie sollte jetzt wieder langsam machen. Doch jetzt war es zu spät; die nächste Wehe war schon da. Wieder presste Carmen alle Kraft nach unten und plötzlich sagte die Hebamme der Kopf sei schon zu sehen. Zwei Wehen später war es dann soweit. Ein kleiner Mensch rutschte heraus.
nach oben
10:40 Uhr es ist da !!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich hörte wie die Hebamme zum Arzt sagte: "vierzig", der Arzt antwortete: "vierzig". Ich schaute auf die Uhr und siehe da es war 10:40 und unsere Tochter Celina war auf der Welt. Ihr wurde sofort der Schleim abgesaugt und sie schrie kurz und ergreifend. In dem Moment kullerten mir die Tränen nur so aus den Augen. Carmen bekam Celina sofort auf den Bauch gelegt. Carmen war erschöpft und zitterte am ganzen Körper. Als Celina so auf Carmens Bauch lag fragte mich die Hebamme ob ich die Nabelschnur durchschneiden wolle. Ich brachte vor lauter Rührung nur ein kaum vernehmbares „ja“ heraus. Die Hebamme klammerte die Nabelschur und gab mir die Schere. Dann wagte ich den Schnitt. Sccccchnipp und durch war sie. Carmen beobachtete das ganze. Sie brachte nur noch: „Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn." heraus. Während Celina "vermessen" und geputzt wurde hielt ich wieder Carmens Hand. Sie war noch immer am zittern und ich am heulen. Als dann die Nachgeburt kam hat uns die Hebamme genau erklärt wie Celina darin neun Monate lebte. Bei Carmen wurde dann noch ein Riss genäht. Während dieser Zeit hielt ich Celina in meinen Armen und konnte es nicht glauben. Unsere Tochter, ich bin Vater und Carmen Mutter wir sind jetzt Eltern. Celina war 50 cm groß und 3260 Gramm schwer. Sie hatte einen Kopfumfang von 35 cm. Die Hebamme und der Arzt gratulierten uns ganz herzlich. Celina wurde auch gleich angelegt und genoss ihre erste Mahlzeit auf Erden. Und es klappte auch sofort.
Man kann gar nicht die richtigen Worte finden um so eine Geburt treffsicher zu beschreiben. Ein Meer von Gefühlen bekommt man zu spüren. Freude, Angst, Glück, Verzweiflung, einfach die ganze Gefühlspalette durchlebt man während der Geburt. Und ich rate jedem künftigen Vater dabei zu sein wenn es soweit ist.
Ich würde es jederzeit wieder tun !
An dieser Stelle ein Dank dem Klinikpersonal, den (Schwieger)Eltern, der Frauenärztin, den Freunden und Bekannten die uns (in erster Linie Carmen)durch die gesamte Schwangerschaft begleitet haben
DANKESCHÖN Euer Thommy
nach oben
|