FORUM GEBURT

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Jahresbericht FoGeCH 2005
ENCA-Treffen in Griechenland

Der Dachverband FORUM-GEBURT

Leitgedanke:
Wir müssen uns unserer Fähigkeit bewusst werden, eine andere Welt zu schaffen
(Michel Odent).

Unsere Ziele:

  • Bewusstseinsförderung für die Bedeutung der Geburt
  • eine natürliche, frauen-, kinder- und familienfreundliche Geburt, Wochenbett- und Stillzeit
  • Vermittlung von Informationen und Erfahrungsaustausch, um Frauen zu ermutigen, Selbstverantwortung zu übernehmen
  • Wahlmöglichkeit für den Ort und die Art der Geburt
  • Einflussnahme auf gesellschaftliche Strukturen (Gesundheits- und Spitalpolitik)

Homepage: Im vergangenen Jahr hatten wir einen Wechsel in der Betreuung der Homepage. Wir freuen uns, dass wir sofort einen Ersatz gefunden haben. Unser Ziel ist es, unsere alternative Geburtshomepage in der Schweiz weiter auszubauen mit fachlich guten Texten.

Autorenarbeit: Regula Schmid, Hebamme in Luzern, hat einen Fachartikel geschrieben über „Babymassage“ für das Bulletin Nr 28/2004, Organ des Vereins zur Förderung vielfältiger Gebärmöglichkeiten, Luzern. Ruth-Nunzia Preisig, Kunsttherapeutin in Chur, gestaltete das Bulletin Nr. 29/2004 mit „Kunsttherapie in der Geburtsvorbereitung und Geburtsverarbeitung“

Veranstaltungen der Regionen: Der bereits oben erwähnte Verein inLuzern bietet Veranstaltungen insbesondere für Eltern mit Kleinkindern an, wie z.B. zu den Themen„ Bachblüten für Kinder“, „Tragtuchkurse“ oder „Yoga mit Kindern“ .
Auch beim Forum Geburt Graubünden hat sich der Schwerpunkt mehr in die Zeit nach der Geburt verlegt: z.B. die „Gründung einer neuen Begegnungsgruppe für Mütter mit Säuglingen “, ein Vortrag zu „Schlafgewohnheiten von Säuglingen und Kleinkindern“ . Leider konnte das Vortragsthema „Vorgeburtliche Untersuchungen/ Pränataldiagnostik“ nur wenige Leute anziehen. Das ist nur schwer verständlich, gibt es doch soviel zu entscheiden während einer Schwangerschaft.

Junge Eltern scheinen sich ihre Informationen vor der Geburt vorwiegend aus den Geburtsvorbereitungskursen, aus Büchern und aus dem Internet zu holen.

Statistik: Den Berichten der letzten beiden Jahre legten wir eine Statistik bei. Da die Erarbeitung sehr aufwändig ist, verzichten wir dieses Jahr darauf und werden im nächsten Jahr wieder darauf zurückkommen.

Vernetzung: Die Vorstandsmitglieder informierten sich bei verschiedenen Organisationen über ihre Tätigkeiten im Laufe des Jahres 2004. So konnten wir uns ein Bild machen, was in der Schweiz rund um die Geburt alles getan wird, und die Vernetzung auf der Homepage konnte so auch erweitert werden. Wir kontaktierten die folgenden Organisationen und erstatten an der Generalversammlung FORUM GEBURT CH Bericht darüber:

  • IGGH, Interessengemeinschaft Geburtshäuser
  • Schweiz. Hebammenverband
  • Doula-Netzwerk
  • IAMANEH, Schweiz. Koordinationsstelle Migration und reproduktive Gesundheit
  • Fachstelle FPK, Förderung professioneller Beratung und Begleitung bei Fehlgeburt und perinatalem Kindstod
  • Schweiz. Stiftung zur Förderung des Stillens
  • LLL, La Leche Liga, Schweiz
  • Schweiz. Verband der Mütterberaterinnen

 

Aktuelles aus der Schweiz

Geburtshäuser: Das Ziel ist, die Deckung der Aufenthaltskosten im Geburtshaus durch die Grundversicherung der Krankenkassen zu erreichen. Durch eine Geburt im Geburtshaus sollen den Eltern keine zusätzlichen Kosten entstehen. Der politische Kampf ist lange und harzig. Die Eltern sollten die Wahlfreiheit haben, wo sie ihr Kind zur Welt bringen wollen.
In Graubünden, einer Bergregion, sind zwei neue von Hebammen geleitete Geburtshäuser entstanden.

Hebammenverband: Die Hebammen stehen mit neuen Prüfungen zur Qualitätssicherung im Auftrag von Santé Suisse (Krankenkassen - Dachorganisation) enorm unter Druck. Der Hebammenverband drängt und hofft seit Jahren, die Ausbildung zur Hebamme in die Fach­hochschule oder die Höhere Fachschule eingliedern zu können. Die Gesundheitsdirektoren der Kantone und die schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie geben in der Zwischenzeit grünes Licht. Dies zu erreichen brauchte viel Engagement und Energie, hilft aber, den Beruf aufzuwerten. Die endgültige Entscheidung wird im Jahr 2005 getroffen.

Doula-Netzwerk: Dem Netzwerk gehören seit Dezember 2004 28 Doulas an. Im vergangenen Jahr wurden 20 Frauen/Paare begleitet, 2 davon in einem Geburtshaus. Bei den Spital­geburten kam es viermal zu einer Sectio, 2 davon waren geplant. Eine Umfrage bei Frauen und Fachpersonen ergab, dass es viele verschiedene Situationen gibt, wo der Einsatz einer Doula sinnvoll ist, z.B. bei Migrantinnen und alleinerziehenden Frauen. Das Ergebnis dieser Umfrage bewog Ursina Rawyler, im Jahre 2005 erneut einen Doula-Grundkurs anzubieten. Die Doulas in der Schweiz verfügen nun über einen inhaltlich einheitlichen Prospekt; nebst deutsch ist er auch in französischer, italienischer und englischer Version erhältlich.
Spitäler sind bis heute nicht bereit, den Doulas Praktikumplätze zu bieten. Auch von Seiten der Hebammen ist nach wie vor wenig Offenheit gegenüber der Doula vorhanden.

IAMANEH Schweiz: (International Association for Maternal and Neonatal Health)
Dank der Koordinationsstelle „Migration und reproduktive Gesundheit“ wurden an verschiedenen Orten in der Schweiz erste Angebote für Migrantinnen rund um Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft initiiert. Der Hebammenverband hat in Zusammenarbeit mit IAMANEH und anderen Organisationen eine Broschüre zu den Themen Schwangerschaft, Geburt und Wo­chenbett herausgegeben, welche jetzt in 14 Sprachen erhältlich ist. Ebenfalls wurden migra­tionspezifisch angepasste Kursmaterialien für Geburtsvorbereitungskurse in den jeweils vier­zehn Sprachen produziert. Leider gibt es aus Spargründen nur noch eine 20 % Stelle, die ganze Arbeit koordiniert.

Anmerkung: In Gefahr ist sie nicht, wird noch genügend unterstützt vom BAG und anderen Institutionen. IAMANEH Schweiz gibt es schon seit 1978.

Beratung und Begleitung bei Fehlgeburt und perinatalem Kindstod: Dieser Verein hat die Fachstelle FpK aufgebaut und das erste Jahr ist bereits gut angelaufen. Sie führen ein Beratungstelefon, bieten auch Weiterbildungen in Spitälern an und machen eine Kampagne bei den Zivilstandsämtern der Schweiz, welche Unterlagen bei Totgeburten abgeben können. Sie arbeiten an einer Wegleitung für SeelsorgerInnen, welche zusammen mit den Kirchen herausgegeben wird.

Schweizerische Stiftung zur Förderung des Stillens Die Stilldauer in der Schweiz konnte massiv erhöht werden. 2004 zeigte eine Studie, dass 62% der Mütter ihr Kind 6 Monate nach der Geburt noch stillen. 1994 waren es lediglich 47%. Mit 6 Monaten noch voll gestillt (d.h. ohne Säuglings- Anfangsnahrung oder Folgekost) wurden 1994 11% der Säuglinge. 2003 waren es 24%.
Dieselbe Studie konnte zudem aufzeigen, dass Kinder, die in Kliniken zur Welt kommen, welche von der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens ausgezeichnet wurden und sich streng an die Standards der Baby-Friendly Hospital Initiative halten, signifikant länger gestillt werden. Die Arbeit der Stiftung zeigt erfreulicherweise Wirkung.
Dennoch sind die aktuellen Zahlen in der Schweiz noch weit entfernt von den Empfehlungen der WHO, des BAG und der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie.

La Leche Liga CH: Ende Jahr gibt es in der Schweiz 80 aktive Stillberaterinnen, welche in 14 Regionen 54 Stillgruppen leiten. 14 Frauen haben 2004 die Ausbildung als Stillberaterin der LLL abgeschlossen.
Die Zeitschrift Wirbelwind wird 6 mal im Jahr herausgegeben. Der Untertitel ist: die andere Zeitschrift für den Still- und Erziehungsalltag. Die Auflage beträgt zur Zeit 52’000 und wird dem Present-Service-Koffer beigelegt. Das ergab ein wachsendes Interesse am Verein LLL.
Der schweizerische Verband der Mütterberaterinnen ist ein Berufsverband und besteht seit 1992. 95 % der arbeitenden Mütterberaterinnen gehören dem Verband an. Pro Jahr organisieren sie eine Tagung in der Deutschschweiz und eine in der Romandie.
Es ist ein gut organisierter Berufsverband. Das Jahresziel lautete: Die Mütterberaterinnen nehmen ihre gesellschaftspolitische Position und Wirkung wahr. Der Verein erhält Unterstüt­zung vom Bundesamt für Sozialversicherung, verbunden mit einem Leistungsauftrag. Dabei geht es um Qualitätssicherung in der Beraterinnentätigkeit.

Wir wünschen den TeilnehmerInnen in Griechenland ein gutes und bereicherndes
ENCA-Treffen.

Der Bericht wurde zusammengestellt von Ruth-Nunzia Preisig, Präsidentin, mit Beiträgen von Regula Schmid Hebamme und Ursina Rawyler, Leiterin der Doulaausbildung, beide Vorstandsmitglieder Forum Geburt Schweiz.

Englische Übersetzung: Doris Schmider, Vereinsmitglied

 

April 2005

 

 

Update:  08.02.2006