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Alarmierende Tendenzen in der Geburtshilfe

Alarmierende Tendenzen in der Geburtshilfe werden vom Europäischen Netzwerk von Vereinigungen rund um die Geburt (ENCA) festgestellt. In allen Ländern Europas wird die physiologische Geburt zur Seltenheit. Die Anzahl der medizinischen Interventionen rund um die Geburt steigt und bedingt eine Vielzahl weiterer Eingriffe in den natürlichen Ablauf. So steigt z. B. die Zahl der Kaiserschnitte in allen Ländern kontinuierlich, wobei es drastische Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken gibt. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Kaiserschnittrate von maximal 15% für angemessen hält, liegt der Durchschnitt in vielen Ländern weit über 20% mit einzelnen Kliniken, die bis zu 65% der Geburten per Kaiserschnitt beenden. Wenn so viele Kinder per Kaiserschnitt zur Welt kommen, steigt damit auch die mütterliche Mortalität, und der so wichtige Bondingprozess und der Stillbeginn werden erschwert.

Es wird enttäuscht festgestellt, dass im Entwurf zur „Europäischen Charta der Grundrechte" die Themen Schwangerschaft, Geburt und Stillen bisher nicht berücksichtigt worden sind. Sie fordern eine Einbeziehung dieser Themen und haben einen Textentwurf vorbereitet, den sie dem Konsilium unter dem Vorsitz von Roman Herzog unterbreitet haben.

Des weiteren betont ENCA die Wichtigkeit einer ganzheitlichen Vorbereitung auf Geburt und Elternschaft durch qualifizierte Geburtsvorbereiterinnen und Hebammen als präventive Maßnahme. Dazu braucht es mehr finanzielle Unterstützung, um allen Familien diese Vorbereitung zu ermöglichen.

 

Kommentar aus dem Vorstand FORUM GEBURT CH

Wir sind besorgt über diese Tendenzen in Europa. Andrerseits sehen wir aber auch die Bestrebungen von Fachleuten und Institutionen, die Situation rund um die Geburt so gut wie möglich zu gestalten. Um in dieser Diskussion über Tendenzen in der Geburtshilfe mitreden zu können, brauchen wir dringend statistisches Zahlenmaterial. Bis heute fehlen gesamtschweizerische Zahlen. Unser Ziel ist, zu erreichen, dass diese statistischen Angaben gesammelt werden und die Öffentlichkeit dadurch besser informiert werden kann.

 

 

 

 

 

Update: 29.01.2005