EINE INITIATIVE DER INTERNATIONALEN MUTTERBABYGEBURTSORGANSATION

(IMBCO) WWW.IMBCI.ORG

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ÜBERBLICK ÜBER DIE 10 SCHRITTE DER IMBCI
Ein optimaler MutterBaby-Geburtsservice beruht auf schriftlichen Richtlinien, die in
der Ausbildung und der Praxis berücksichtigt werden und in denen folgende
Anforderungen an das Versorgungsteam festgelegt sind:

SCHRITT 1: Jede Frau mit Respekt behandeln und ihre Würde schützen.

SCHRITT 2: Sich jenes Hebammenwissen aneignen und routinemäßig anwenden,
das eine natürliche Geburt und ein normales Stillen fördert.

SCHRITT 3: Die Mutter über die Vorteile von durchgehender Unterstützung während
der Wehen und der Austreibungsphase informieren und sich dafür einsetzen, dass
sie eine solche Unterstützung von einer Person ihrer Wahl bekommt.

SCHRITT 4: Zugang zur Geburtserleichterung ohne Medikamente und zu natürlichen
Schmerzlinderungsmethoden ermöglichen und ihre Vorteile für eine natürliche
Geburt erklären.

SCHRITT 5: Nur evidenzbasierte Praktiken anwenden, die sich ausdrücklich als
vorteilhaft erwiesen haben.

SCHRITT 6: Potentiell schädliche Maßnahmen und Praktiken vermeiden.

SCHRITT 7: Maßnahmen ergreifen, die das Wohlbefinden fördern sowie Krankheiten
und Notfällen vorbeugen.

SCHRITT 8: Zugang zu evidenzbasierter qualifizierter Notfallbehandlung schaffen.

SCHRITT 9: Kontinuierliche Zusammenarbeit in der medizinischen Behandlung mit
dem gesamten medizinischen Personal sowie anderen Institutionen und
Organisationen sicherstellen.

SCHRITT 10: Die Erreichung der 10 BFHI Schritte für erfolgreiches Stillen anstreben.
* Mutter und Kind bilden eine integrale Einheit während Schwangerschaft, Geburt
und Säuglingszeit und werden nachstehend als MutterBaby bezeichnet.

GRUNDPRINZIPIEN DER INTERNATIONALEN MUTTERBABYGEBURTSINITIATIVE 1

• Die Rechte der Mütter und Kinder sind Menschenrechte.
• Zugang zu humaner und wirksamer medizinischer Versorgung ist ein
grundlegendes Menschenrecht.
• Mutter und Baby stellen während Schwangerschaft, Geburt und Säuglingszeit
eine integrale Einheit dar (hiermit nun als „MutterBaby“ bezeichnet) und sollten
auch als solche behandelt werden, da die Behandlung der einen Person die
Versorgung der zweiten auf besondere Weise beeinflusst.
• Schwangerenversorgung und Geburtshilfe sind essentielle Aspekte der
medizinischen Versorgung und sollten ausfinanziert sein. Es sollte genügend
Personal und Ausstattung vorhanden und für jede Frau frei zugänglich sein,
unabhängig von Staatsbürgerschaft und sozialem Status.
• Respekt gegenüber jeder Frau und die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse
sollte die Grundlage der gesamten Schwangerenversorgung und Geburtshilfe
sein.
• Mütter während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett bzw. die
Neugeborenen sollten individualisiert versorgt werden. Die Bedürfnisse von
MutterBaby sollten gegenüber den Bedürfnissen des Versorgungsteams, der
Institutionen und der Pharmaindustrie Vorrang haben.
• Schwangerschaft, Geburt und Stillen sind normale und gesunde Prozesse, die
in den meisten Fällen nur die Aufmerksamkeit und die Unterstützung des
medizinischen Personals erfordern. Neueste Erkenntnisse beweisen die
Sicherheit und die besseren Ergebnisse dieses Ansatzes.
• Frauen sollten umfassende, genaue und unparteiliche Informationen auf Basis
der besten derzeit erhältlichen Erkenntnisse über Nachteile, Vorteile und
Alternativen erhalten, damit sie eine Grundlage für die Findung von
Entscheidungen über ihre Versorgung und die Versorgung ihres Babys haben.
• Geburtspraktiken beeinflussen MutterBaby körperlich und seelisch. Die
Zuversicht einer Mutter, die Fähigkeit zu besitzen, ihr Baby auf die Welt zu
bringen, zu umsorgen und zu stillen und dass ihr Baby wiederum die Fähigkeit
besitzt, an der Brust zu trinken, kann vom Versorgungsteam und vom Umfeld
während der Geburt gesteigert oder verringert werden.
• Jede einzelne Person des Versorgungsteams ist individuell für die Mutter, die
Familie und die Gesellschaft verantwortlich und das Gesundheitssystem
wiederum für die Qualität des medizinischen Services, den es bietet.
• Eine die Gesundheit förderliche Atmosphäre zu schaffen, der Mutter
zuzuhören, sie in ihrem Selbstausdruck zu unterstützen und ihre Privatsphäre
zu respektieren sind grundlegende Aspekte einer optimalen Versorgung rund
um die Geburt.
• Hebammen, die in den meisten Ländern die Hauptperson in der Versorgung
von Millionen von gebärenden Frauen sind, haben ein Modell der Versorgung
entwickelt, die auf der normalen Physiologie, Soziologie und Psychologie von
Schwangerschaft, Wehentätigkeit, Geburt und Wochenbett beruhen. Die
Internationale MutterBaby-Geburtsinitiative stützt sich auf das
Hebammenversorgungsmodell und betont, dass das Wissen, die Fähigkeiten
und das Verhalten der Hebammen für die optimale Versorgung von
MutterBaby essentiell sind.
• Kontinuität in der Versorgung und Sensibilität gegenüber von kulturellen,
religiösen und individuellen Glaubenssätze und Werten der Mutter reduzieren
das Risiko eines psychologischen Traumas und steigern das Vertrauen der
Mutter in das Versorgungsteam, in ihre Geburtserfahrung und ihre
Bereitschaft, die Versorgung anzunehmen und Versorgung auch in Zukunft in
Anspruch zu nehmen.
• Wenn es kulturell gesehen angemessen ist, kann die Anwesenheit des Vaters
während der Geburt positive Auswirkungen auf die Familie, sein Vatersein und
seinen Respekt für die Mutter haben.
• Viele Frauen können außerhalb des Krankenhauses in Sanatorien,
Geburtszentren und zu Hause sicher gebären, wenn qualifizierte Versorgung
verfügbar ist und effiziente Überweisungen möglich sind. Frauen,
einschließlich jener mit vorausgegangenen Kaiserschnittgeburten,
Steißlagegeburten und Zwillingen sollten genauestens über die Vor- und
Nachteile einer vaginalen Geburt und eines Kaiserschnitts in den
verschiedensten Umgebungen und mit den unterschiedlichsten medizinischen
Fachkräften informiert werden.
• Alle Dienstleistungen rund um die Geburt sollten im Einklang mit dem
Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten
stehen.
• Obwohl Notfallsmedizin lebensnotwendig ist, ist sie nicht die einzige
Möglichkeit, um die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate von Müttern und
Säuglingen zu reduzieren. Diese Probleme müssen durch geeignete
Maßnahmen auch an ihrer Wurzel in Angriff genommen werden, um
Krankheiten vorzubeugen, Wohlbefinden zu fördern und Frauen zu stärken.
Dieses Model der Versorgung von MutterBaby fördert die Gesundheit und das
Wohlbefinden von allen Frauen und Babys während Schwangerschaft, Geburt
und Stillzeit und setzt den goldenen Standard für hervorragende Leistungen
und überdurchschnittliche Ergebnisse in der Versorgung von Frauen rund um
die Geburt. Alle Personen, die Frauen rund um die Geburt versorgen, sollten in
diesem MutterBaby-Versorgungsmodell geschult werden, es anbieten und
unterstützen.

DIE 10 SCHRITTE DER INTERNATIONALEN MUTTERBABYGEBURTSINITIATIVE

Die 10 Schritte der MutterBaby-Geburtsinitiative beruhen auf den Ergebnissen der
besten derzeit verfügbaren Evidenz über die Sicherheit und Effizienz von einzelnen
Tests, Behandlungen und anderen Eingriffen für Mütter und Babys. „Sicher“
bedeutet, dass diese Versorgung auf evidenzbasierten Praktiken beruht, die das
Risiko von Irrtum und Schaden minimieren und die normale Physiologie der
Eröffnungs- und Austreibungsphase der Geburt unterstützen. „Effizient“ bedeutet,
dass die angebotene Versorgung die erwarteten Vorteile erzielt, den Bedürfnissen
der schwangeren Frau und ihres Babys entspricht und auf solider Evidenz basiert.
Sichere und effiziente Versorgung von MutterBaby erzielt die bestmöglichen
Gesundheitsresultate unter gezielter und zurückhaltender Anwendung von
Ressourcen und Technologie.
Ein optimaler MutterBaby-Geburtsservice beruht auf schriftlichen Richtlinien, die in
der Ausbildung und in der Praxis berücksichtigt werden und in denen folgende
Anforderungen an das Versorgungsteam gestellt werden:

SCHRITT 1: Jede Frau respekt- und würdevoll behandeln, sie umfassend in
einer Sprache, die sie versteht, informieren, sie in die Entscheidungsfindung
über die Versorgung, die sie selbst oder ihr Baby betrifft, einbeziehen und ihr
das Recht geben, auf Grund dieser Informationen einzuwilligen oder
abzulehnen.

SCHRITT 2: Sich jenes Hebammenwissen aneignen und routinemäßig
anwenden, das eine normale Schwangerschaft, eine natürliche Geburt, ein
normales Stillen und eine normale Wochenbettzeit fördert und optimiert.³

SCHRITT 3: Die Mutter über die Vorteile von durchgehender Unterstützung
während der Geburt informieren und sich dafür einsetzen, dass sie eine solche
Unterstützung von einer Person ihrer Wahl, wie z.B. Vater, Partner,
Familienmitglied, Doula (4) oder anderen bekommt. Es wurde bewiesen, dass
durch durchgehende Unterstützung der Bedarf an Schmerzmitteln während der
Geburt reduziert wird, die Rate an operativen Geburten zurückgeht und die
Zufriedenheit der Mütter mit ihrem Geburtserlebnis zunimmt.

SCHRITT 4: Zugang zur Geburtserleichterung ohne Medikamente und zu
natürlichen Schmerzlinderungsmethoden ermöglichen und ihre Vorteile für
eine natürliche Geburt erklären.

SCHRITT 5: Nur evidenzbasierte Praktiken anwenden, die sich ausdrücklich als
vorteilhaft in der Unterstützung einer normalen Physiologie der Wehen, Geburt
und Nachgeburtszeit erwiesen haben, d.h.:
• zu ermöglichen, dass sich die Wehen in ihrer eigenen Geschwindigkeit
entwickeln, während man von Eingriffen Abstand nimmt, die auf festgelegten
Zeitlimits basieren und Partogramme zu verwenden, um den Wehenverlauf zu
beobachten5;
• der Mutter während der Geburt uneingeschränkten Zugang zu Essen und
Trinken nach Wunsch ermöglichen;
• die Mutter dabei unterstützen, frei umher zu gehen und sich zu bewegen
sowie sie dabei zu unterstützen, die Positionen ihrer Wahl einzunehmen, z.B.
hocken, sitzen, Vierfüßerstand sowie Utensilien bereitzustellen, die die
aufrechte Haltung unterstützen6;
• Techniken zur Wendung des Babys im Uterus und für vaginale Steißgeburten
anzuwenden;
• sofortigen und anhaltenden Körperkontakt von MutterBaby zu ermöglichen
(Wärme, Bindung, Stillbeginn und Entwicklungsstimulation) und dafür zu
sorgen, dass MutterBaby zusammen bleiben;
• zu warten, bis die Nabelschnur auspulsiert ist, damit das restliche Blut mit
dem Sauerstoff und den Nährstoffen zum Baby gelangen kann7;
• sicher zu stellen, dass die Mutter jederzeit Zugang zu ihrem kranken Baby
oder Frühchen hat, Känguru-Pflege anzubieten und die Mutter dabei zu
unterstützen, ihre eigene Milch bereit zu stellen (oder andere Muttermilch),
wenn es ihrem Baby nicht möglich ist, gestillt zu werden.

SCHRITT 6: Potentiell schädliche Maßnahmen und Praktiken vermeiden, die
nach wissenschaftlicher Erkenntnis bei Routineeinsätzen oder häufiger
Anwendung bei normalen Geburten keine Vorteile haben. Wenn sie für eine
spezifische Situation angedacht werden, sollte von den besten derzeit
verfügbaren Evidenzen belegt sein, dass die Vorteile wahrscheinlich vor den
potentiellen Gefahren überwiegen. Diese Praktiken sollten vollständig mit der
Mutter ausdiskutiert werden, um sicher zu gehen, dass sie umfassend
informiert ist und auf dieser Wissensbasis zustimmen kann. Diese Maßnahmen
und Praktiken sind zum Beispiel:
* Rasieren * Legen eines Blasenkatheders
* Einlauf * Rückenlage oder Steinschnittlagerung
(Füße auf Fußstützen)
* Eipollösung * Anleitung durch das med. Personal, wann die Mutter pressen soll
* Sprengung der Fruchtblase * Kristeller-Manöver
* med. Einleitung und/oder künstl. * Dammschnitt
Wehenverstärkung
* wiederholte Vaginaluntersuchungen * Zangen- und Saugglockengeburten
* Vorenthaltung von Essen und Wasser * manuelle Untersuchung des Uterus
* Mutter anweisen, im Bett zu bleiben * primärer und wiederholter Kaiserschnitt
* Infusionen * Absaugen des Neugeborenen
* ständige CTG-Überwachung * sofortiges Abklemmen der Nabelschnur (siehe Fußnote 7)
* medikamentöse Schmerzkontrolle * Trennung von Mutter und Kind

SCHRITT 7: Maßnahmen ergreifen, die das Wohlbefinden fördern und Notfällen,
Krankheiten und dem Tod von MutterBaby vorbeugen:
• Informationen und Kurse über gesunde Ernährung, sauberes Wasser und eine
saubere und sichere Umgebung anbieten und den Zugang dazu erleichtern;
• Informationen und Kurse über Methoden der Krankheitsprävention, wie Schutz
vor Malaria und HIV / AIDS sowie deren Behandlung und über die Tetanus-
Toxoid-Impfung anbieten und den Zugang dazu erleichtern;
• Informationen und Kurse über verantwortungsvolle Sexualität,
Familienplanung und die Fortpflanzungsrechte der Frauen anbieten und den
Zugang zu Familienplanungsmöglichkeiten erleichtern;
• Eine unterstützende Versorgung rund um die Geburt sowie eine Versorgung
des Neugeborenen anbieten, die die körperliche und emotionale Gesundheit
von MutterBaby innerhalb von Familienbeziehungen und der Gemeinschaft
anspricht.

SCHRITT 8: Zugang zu evidenzbasierter qualifizierter Notfallbehandlung bei
lebensbedrohlichen Komplikationen schaffen. Sicher stellen, dass das
gesamte Versorgungsteam über eine angemessene und fortlaufende Aus- und
Weiterbildung in Notfallsmaßnahmen rund um die Geburt für eine
angemessene und rechtzeitige Behandlung der Mütter und ihrer Neugeborenen
verfügt.

SCHRITT 9: Kontinuierliche Zusammenarbeit in der medizinischen Behandlung
von Müttern und Neugeborenen des gesamten relevanten medizinischen
Personals und den verschiedensten Institutionen und Organisationen sicher
stellen. Traditionelle GeburtsbegleiterInnen und andere, die außerhalb des
Krankenhauses Geburten begleiten, mit in dieses Versorgungskontinuum
einbeziehen. Insbesondere Personen innerhalb von Institutionen, Agenturen
und Organisationen, die Dienstleistungen rund um die Geburt anbieten,
sollten:
• über fachliche, kulturelle und institutionelle Grenzen hinweg
zusammenarbeiten, um MutterBaby bestmöglich zu versorgen, die
besonderen Kompetenzen jedes einzelnen anerkennen und den Standpunkt
jedes einzelnen respektieren;
• die Kontinuität in der Versorgung von MutterBaby von einer kleinen Anzahl
von medizinischen Fachkräften während der Geburt fördern
• Beratung und rechtzeitige Weitervermittlung an zuständige Institutionen und
Spezialisten fördern;
• sicherstellen, dass die Mutter sich bewusst ist, welche Einrichtungen es in
ihrem Ort gibt, die für ihre Bedürfnisse und die des Neugeborenen kompetent
sind und den Zugang dazu fördern.

SCHRITT 10: Die Erreichung der 10 Schritte für erfolgreiches Stillen, wie in der
Baby-friendly Hospital Initiative der WHO/UNICEF beschrieben, anstreben:
1. Schriftliche Stillrichtlinien haben, die routinemäßig an das gesamte
Versorgungsteam kommuniziert werden.
2. Das gesamte Gesundheitspersonal in Fähigkeiten trainieren, die notwendig
sind, um die Richtlinien zu implementieren.
3. Alle schwangeren Frauen über die Vorteile und die Praxis des Stillens
informieren.
4. Müttern helfen, innerhalb einer halben Stunde nach der Geburt zu stillen zu
beginnen, den Hautkontakt zwischen Müttern und Babys in den ersten
Stunden nach der Geburt fördern und Mütter dabei unterstützen, zu erkennen,
wann ihre Babys bereit sind, gestillt zu werden und Hilfe anbieten, wenn es
benötigt wird.
5. Müttern das Stillen zeigen und sie darüber informieren, wie man die
Milchproduktion aufrecht erhalten kann, wenn sie von ihren Säuglingen
getrennt werden.
6. Neugeborenen nichts anderes außer Muttermilch zu füttern, außer wenn es
medizinisch gesehen indiziert ist.
7. Rooming-in anbieten – Müttern und Babys ermöglichen, rund um die Uhr
zusammen zu bleiben.
8. Mütter ermutigen, auf Verlangen zu stillen.
9. Stillkindern keine künstlichen Sauger oder Schnuller geben.
10. Die Errichtung von Stillberatungsgruppen fördern und Mütter bei der
Entlassung vom Krankenhaus oder von der Klinik an sie weiter leiten.
Die Internationale MutterBaby-Geburtsorganisation entwickelt in
Zusammenarbeit mit anderen Organisationen Begleitmaterial mit Details über
die umfassenden wissenschaftlichen Beweise, die die 10 Schritte der IMBCI
stützen, und wird beide Dokumente immer wieder je nach Bedarf mit den
neuesten Forschungsergebnissen updaten.

DIE INTERNATIONALE MUTTERBABY-GEBURTSINITIATIVE IM GLOBALEN

KONTEXT 8
Während der letzten Jahrzehnte wurden auf dem Gebiet der Gesundheit von Müttern
und Säuglingen bedeutende Fortschritte erzielt, dennoch bestehen weiterhin in den
Industrie- und Entwicklungsländern größere Probleme. Mehr als eine halbe Million
Frauen sterben jedes Jahr hauptsächlich in den Entwicklungsländern an
Schwangerschafts- und Geburtsproblemen und viele mehr leiden an
Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen. Die Hauptgründe für die
Müttersterblichkeit sind Blutungen, Sepsis, Eklampsie, Geburtsstillstand, nicht
fachgerecht durchgeführte Abtreibungen und Infektionskrankheiten wie HIV/AIDS
und Malaria. Die weltweite Säuglingssterblichkeitsrate bleibt annähernd bei 1 zu 10.
Die Hauptgründe für die Neugeborenen- und Säuglingssterblichkeit sind vorzeitige
Geburt, geringes Geburtsgewicht, Geburtsasphyxie, Geburtsverletzungen,
Infektionen, angeborene Geburtsdefekte, plötzlicher Kindstod, Atemprobleme und
Krankheiten des Magen-Darm-Trakts. Die meisten Todesfälle bei Müttern und
Säuglingen sind jedoch durch verschiedene Strategien vermeidbar, wie z.B. durch
qualifizierte Begleitung während der Geburt durch medizinisches Personal, das darin
geschult ist, die normale Physiologie der Geburt und das Stillen zu unterstützen
sowie durch Zugang zu Notfallgeburtshilfe.
Medizinische Eingriffe während der Schwangerschaft und Geburt können
lebensrettend sein. Doch bei unangemessener Anwendung führen medizinische
Eingriffe zu vermeidbaren Komplikationen und verursachen Schäden oder bewirken
sogar den Tod. Unnötige, exzessive Anwendung hat auch einen massiven Anstieg
an Versorgungskosten zur Folge und beansprucht Ressourcen, ohne das
Geburtsergebnis zu verbessern. So übersteigen z.B. die Kaiserschnittraten in vielen
Ländern weit die empfohlene Höchstgrenze von 15%. Einen Kaiserschnitt nicht
durchführen zu können, wenn er nötig ist, kostet Leben, seine übermäßige
Anwendung jedoch, bringt ernsthafte potentielle kurz- und langfristige Schäden
sowohl für die Mutter als auch für das Kind mit sich9. Wo Eingriffe zur Norm werden,
ist das medizinische Personal selten geschult und imstande, jenes Wissen
anzuwenden und zu bewahren, das nötig ist, um eine natürliche Geburt zu
unterstützen.
Eine optimale Ernährung – ausschließliches Stillen in den ersten Lebensmonaten
und dann angemessene zusätzliche Nahrung – würde jährlich ungefähr 2 Millionen
Babys das Leben retten. Stillen bietet optimale Ernährung, Immunschutz, bedeutet
Entwicklung und Gesundheit für Kinder und hat darüber hinaus viele Vorteile für die
Gesundheit der Mütter10. Verbessertes Stillen allein könnte täglich das Leben von
mehr als 3500 Kindern retten, mehr als jede andere Vorbeugungsmaßnahme.
Medizinische Eingriffe, die die normale Physiologie der Geburt, die erste Zeit nach
der Geburt und die Neugeborenenzeit stören, können das Stillen beeinträchtigen,
was den Beginn, die Ausschließlichkeit und die Dauer des Stillens betrifft, was sich
wiederum direkt auf das Überleben und die Gesundheit auswirkt.
IMBCI erkennt die große Vielfalt an Ressourcen und den unterschiedlichen
Zugang zur Versorgung an den verschiedenen Orten der Welt an. Die
Herausforderung für das 21. Jahrhundert besteht darin, den Zugang zu
qualifizierter Versorgung und Notfallsbehandlung zu steigern, wo diese fehlt,
und die übermäßige Anwendung von unnötigen medizinischen Eingriffen zu
senken, das Verständnis für eine natürliche Geburt und das Stillen zu erhöhen
und die Qualität der Versorgung in allen Ländern zu verbessern.
Internationale Initiativen, die weltweit versuchen, Gesundheitsproblemen bei Müttern
und Kindern Abhilfe zu schaffen, sind u.a. Safe Motherhood Initiative, Making
Pregnancy Safer, the International Initiative for Maternal Mortality and Human Rights
und the Global Strategy for Infant and Young Children Feeding sowie the Babyfriendly
Hospital Initiative (BFHI) und the International Code of Marketing of Breastmilk
Substitutes, die beide 2005 von der Innocenti Declaration on the Protection,
Promotion, and Support of Breastfeeding bestätigt und 2006 von der World Health
Assembly befürwortet wurden.
Darüber hinaus betont die Internationale MutterBaby-Geburtsinitiative (IMBCI)
die Bedeutung der Qualität der Geburtserfahrung der Mutter und ihre
Auswirkung auf die kurz- und langfristige Gesundheit der Mutter, des Babys
und der Familie. Die IMBCI konzentriert sich auf die wissenschaftlichen
Beweise, die die Vorteile einer MutterBaby-zentrierten Versorgung unter
Berücksichtigung der normalen Physiologie von Schwangerschaft, der Geburt
und des Stillens, die Risiken von unangemessenen medizinischen Eingriffen
und die Wichtigkeit der Berücksichtigung von den individuellen Bedürfnissen
von Müttern aufzeigen.
Die IMBCI ergänzt bereits bestehende Initiativen zur Unterstützung des Überlebens
von Müttern und Säuglingen und des Stillens (einschließlich der neuesten Motherfriendly-
Zusätze zur BFHI) und betont den Bedarf an einem Kontinuum an humaner
Versorgung, das nachweislich notwendig ist, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
Die IMBCI ist aus der Arbeit der International Committee of the Coalition for
Improving Maternity Services (CIMS) entsprungen und führt die Arbeit auf weltweitem
Niveau weiter, die 1996 von CIMS Mother-Friendly Childbirth Initiative in den USA
begonnen wurde und deren Ziel die Unterstützung von natürlicher Geburt ohne
unnötige Eingriffe und die Unterstützung des Stillens ist.
IMBCI trägt auch zur Erreichung von zumindest fünf der acht UN Millennium
Development Goals für 2015 bei:

Ziel 1: Extreme Armut und Hunger aus der Welt zu schaffen. Die IMBCI fördert
die optimale Ernährung von Müttern und Babys.

Ziel 3: Gleichstellung der Geschlechter zu fördern und Frauen zu stärken. Die
IMBCI ruft zur Stärkung der Frauen durch Bildung und durch respektvolle,
umsorgende Behandlung während der Schwangerschaft, der Geburt und im
Wochenbett auf.

Ziel 4: Kindersterblichkeit reduzieren und Ziel 5: Die Gesundheit von Müttern
verbessern und die Müttersterblichkeitsrate um 75% senken. Die IMBCI fordert
qualifizierte Geburtsbegleitung, effiziente Notfallsversorgung und den Vorbehalt von
medizinischen Eingriffen für Fälle, bei denen die potentiellen Vorteile dieser Eingriffe
vor den potentiellen Schäden überwiegen, um Krankheit und Tod von Säuglingen
und Müttern zu reduzieren und betont die Bedeutung von Maßnahmen zur
Krankheitsvorbeugung und zur Erhöhung des Wohlbefindens, um die
Überlebenschancen und die Gesundheit von Müttern und Säuglingen zu erhöhen.

Ziel 6: HIV/AIDS, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen. Die IMBCI setzt
sich für Bildung, Vorbeugemaßnahmen und für qualifizierte Geburts- und
Ernährungspraktiken ein, die die Übertragung von HIV von der Mutter auf das Baby
reduzieren.

ANMERKUNGEN UND HINWEISE

1. Teile dieses Abschnitts stammen von der CIMS Mother-Friendly Childbirth
Initiative (www.motherfriendly.org), The Rights of Childbearing Women
(www.childbirthconnection.org/article.asp?ck=10084&ClickedLink=0&area=27)
, Harms of Caesarean Versus Vaginal Birth
(www.childbirthconnection.org/article.asp?ck=10271), What Every Pregnant
Woman Needs to Know About Caesarean Section
(www.childbirthconnection.org/article.asp?ck=10164) und “Caesarean Delivery
Rates and Pregnancy Outcomes” (J. Villar et al., The Lancet2006:367
(9525):1819-1829,
www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673606687047/fulltext)
2. Schritt 2-9 sind ganz oder ausschnittweise Teil einiger oder aller folgenden
Initiativen: the CIMS Mother-Friendly Childbirth Initiative
(www.motherfriendly.org), the Baby-friendly Hospital Initiative Revised Self-
Appraisal and Monitoring tool (www.unicef.org/nutrition/index_24850.html), the
WHO Managing Complications in Pregnancy and Childbirth
(www.who.int/reproductive-health/impac/index.html), the Royal College of
Midwives (RCM) Evidence Based Guidelines for Midwifery-Led Care in
Labour.
(www.rcm.org.uk/professional/docs/guidelines_formatted_070105v2.doc) und
the Better Births Initiative (www.liv.ac.uk/evidence/BBI/home.htm).
3. Solche Fertigkeiten sind meistens die Kompetenzen von Hebammen.
Kernkompetenzen von Hebammen werden in ICM Essential Competencies for
Basic Midwifery Practice (www.internationalmidwives.org) und in Making
Pregnancy Safer: The Critical Role of Skilled Birth Attendant – ein
gemeinsames Statement von WHO, ICM und FIGO
(www.who.int/reproductive-health/publications/2004/skilled_attendant.pdf)
definiert.
4. Doulas sind Geburtsbegleiterinnen, die ununterbrochene Unterstützung
während der Geburt bieten, die nachweislich die Zufriedenheit mit der
Geburtserfahrung steigert und den Gebrauch von Schmerzmitteln, Narkose
und Eingriffen wie Kaiserschnitten, Zange und Saugglocke verringert.
5. Der Gebrauch eines Partograms wird von der WHO/UNFPA als Teil der
grundlegenden, sicheren Geburtshilfe/Hebammentätigkeit bei allen Geburten
empfohlen, besonders in Gebieten mit hoher Müttersterblichkeit. (Siehe
Integrated Management of Pregnancy and Childbirth: Pregnancy, childbirth,
postpartum and newborn care: A guide for essential practice,“ 2nd ed, 2006.)
Es gibt zwei Arten von Partogrammen. Das eine, das hauptsächlich in Europa
verwendet wird, beobachtet die Herzfrequenz der Mutter, den Blutdruck, die
Länge, Häufigkeit und Stärke der Kontraktionen, den Blasensprung, das
Verstreichen des Muttermundes, verabreichte Medikamente sowie die
Herzfrequenz des Babys. Das Lateinamerikanische Partogramm, das von
CLAP entwickelt wurde, berücksichtigt darüber hinaus auch die Anzahl der
vorausgegangenen Geburten sowie die Geburtspositionen und berücksichtigt
deswegen mehr die Individualität der einzelnen Frau. PAHO/CLAP empfiehlt
den Gebrauch des zweiten Partogramms.
(www.colmed5.org.ar/Tramites/HCGOpartograma.pdf, https://www.colmed5.org.ar/Tramites/HCGOpartograma.pdf.
org/web_2005/TECHNOLOGIAS/technologias%20perinatales.htm#parto
grama, https://medicina.udea.edu.co/nacer/PDF/BIA.pdf).
6. Unterstützungsutensilien für eine aufrechte Geburtsposition sind Geburtsbälle,
Geburtshocker, Bodenmatten, Sprossenwände und Seile.
7. Ein Interventionspacket namens „active management of the third stage of
labour“ wird derzeit empfohlen, weil man annimmt, dass es das Auftreten von
lebensbedrohlichen Blutungen nach der Geburt reduzieren könnte; das
sofortige Abklemmen der Nabelschnur jedoch wurde aus dem
Maßnahmenpaket herausgenommen, da mehr und mehr
Forschungsergebnisse gezeigt haben, dass es schädliche Auswirkungen auf
das Baby hat.
8. Teile von diesem Abschnitt stammen aus the CIMS Mother-Friendly Childbirth
Initiative (www.motherfriendly.org), Maternal Mortality in 2000: Estimates
Developed by WHO, UNICEF, and UNFPA
(https://childinfo.org/areas/maternalmortality/), the Innocenti Declaration
(www.unicef.org/programme/breastfeeding/innocenti.htm), the Lancet Series
on Child Survival
(www.who.int/chld_adolescent_health/documents/lancet_child_survival/en/ind
ex.html) und the UN Millennium Development Goals for 2015
(www.un.org/millenniumgoals).
9. Risiken eines Kaiserschnitts sind u.a. Infektionen, chronische Schmerzen,
Schwierigkeiten beim Bonding und Stillen, Verletzungen und Tod von Mutter
und Kind, Atemprobleme beim Neugeborenen und Probleme bei zukünftigen
Schwangerschaften einschließlich einem höherem Risiko von
Gebärmutterrissen, Extrauterinschwangerschaften, Frühgeburten, einer
Plazenta accreta und Plazentaablösungen, die die Entfernung der
Gebärmutter notwendig machen oder den Tod der Mutter hervorrufen.
10. Die Vorteile des Stillens bestehen für Kinder u.a. in der Vorbeugung von
lebensbedrohlichen Krankheiten wie Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts,
die zu Durchfall führen, von akuten Infektionen der Atemwege, wie
Lungenentzündung sowie im selteneren Auftreten von Allergien, Asthma,
Ohrentzündungen und Ekzemen während der Kindheit und von rheumatischer
Arthritis, Fettleibigkeit und Diabetes im späteren Leben. Vorteile für Mütter
sind reduziertes Risiko von Osteoporose, Diabetes und Krebs der
Fortpflanzungsorgane.
April 2008
INTERNATIONALE MUTTERBABY-GEBURTSORGANISATION
Für weitere Informationen zur Internationalen MutterBaby-Geburtsinitiative besuchen
Sie unser Webseite auf:
WWW.IMBCI.ORG

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