Erkenntnisse zur Bindung

Pediatric's in Review - January 1998 Kinderheilkunde

Neue Beobachtungen, die die perinatale Betreuung verändern.

Marshall H. Klaus, M.D. und John M. Kennel, M.D.
(Übersetzung und Zusammenfassung: Christina Hurst-Prager, Zürich)

Das Ziel der neuen Betreuung ist es, elterliches Fehlverhalten, wie Kindsmissbrauch, Vernachlässigung, "failure to thrive", und Verlassen des Kindes zu verringern.

Wichtige Punkte

Kontinuierliche Unterstützung einer geburtserfahrenen Frau während der ganzen Eröffnungsphase und Austreibungsphase resultiert in einer über 50%igen Verringerung von geburtshilflichen Interventionen, die den frühen Mutter-Kind-Kontakt und die - Interaktion stören können.

Kontinuierliche Unterstützung der Mütter resultiert in einer höheren Stillhäufigkeit und -länge und liebevollerem Mutter-Kind-Kontakt, sowie psychologischen Vorteilen.

Die Kriechfähigkeit des Neugeborenen; die Sensibilität der mütterlichen Brustwarze; das markant geringere Weinen, wenn das Baby in Hautkontakt mit der Mutter liegt; die wärmenden Fähigkeit der mütterlichen Brust, die sich den Bedürfnissen des Kindes anpasst.

Wenn das Kind an der Brust trinkt, werden 19 verschieden Hormone im Verdauungsapart von beiden, Mutter und Kind, ausgeschüttet, einschliesslich Cholecystokin und Gastrin, die das Wachstum der Darmvilli von Mutter und Kind stimulieren, sodass die Oberfläche des Darms und somit die Absorbierung von Kalorien bei jeder Mahlzeit vergrössert werden. Mutter-Kind-Kontakt von Geburt an und Rooming-in können die Stillhäufigkeit bedeutend erhöhen und die "failure to thrive", Vernachlässigung, Missbrauch und Verlassen von Babys senken.

Jüngste Forschungen haben, in den letzten 15 Jahren verschiedene Studien über Physiologie und Verhalten von Müttern und Säuglingen, neue und wichtige Informationen gebracht. Beide, Mutter und Säugling, bringen eine reiche Auswahl von angeborenen Fähigkeiten zu ihren frühen gemeinsamen Momenten.

Erstes Saugen

Das vielleicht eindrucksvollste Beispiel ist die Fähigkeit von Neugeborenen, - wenn man sie nach der Geburt ruhig auf den Bauch der Mutter lässt - allmählich zur Brust zu kriechen, die Brustwarze zu finden und zu saugen beginnen. Wenn die Mutter während der EP und AP keine Medikamente erhalten hat, das Kind gut abgetrocknet auf den Bauch der Mutter gelegt und durch die Körperwärme und ein Tuch warm gehalten wird und während den nächsten 60 Minuten nicht von ihrem Körper weggenommen wird, beginnt das Baby in einer fünfteiligen Sequenz die mit dem Erfassen der Brustware und dem Saugen endet. In den ersten 20 Min. ruht sich das Neugeborene aus und schaut hin und wieder die Mutter an. Zwischen 30 und 45 Min. nach der Geburt fängt es an, seine Lippen zu schürzen und zu schmatzen, Speichel beginnt zu fliessen. Das Baby fängt dann an, sich langsam vorwärts zu bewegen, bewegt den Kopf hin und her und öffnet den Mund weit, wenn es in die Nähe der Brustwarze kommt.

Nach mehreren Versuchen schliesst es seine Lippen um die Areola (Warzenhof), nicht nur um die Warze. Der Geruch der BW scheint das Neugeborene zur Brust zu führen. Wäscht man die rechte Brust ab, kriecht es zur linken.

Empfehlungen von Klaus und Kennell

Jede Gebärende sollte die Möglichkeit einer Dauernden - Begleitung während Eröffnungs- und Austreibungsphase der Geburt haben. z.B. Doula

Wann immer möglich, sollte auf Medikamentengabe verzichtet werden, damit die Fähigkeit des "Self-attachment" des Neugeborenen nicht beeinträchtigt wird und es erfolgreich an der Brust trinken kann.
Nach der Geburt und sorgfältigem Trocknen, sollte das Neugeborene bei einer guten Adaptation Hautkontakt zur Mutter haben. Die Wärme sollte durch ihren Körper und eine leichte Decke gewährleistet werden. Das Baby sollte frühestens nach einer Stunde zum Baden, messen, wiegen, Vitamin-K-Gabe, etc. von der Mutter getrennt werden. Das Baby sollte selbst bestimmen können, wann es anfängt an der Brust zu saugen.

Ausser bei Krankheit von Mutter oder Kind sollte volles Rooming-in die Norm sein. Normale Säuglingszimmer sollten geschlossen werden und nur eine kleines Zimmer für Säuglinge, deren Mutter krank ist, vorhanden sein.

Alle Mütter sollten in der ersten Stunde mit stillen beginnen, häufig stillen und ermutigt werden, mindestens zwei Wochen zu stillen, auch wenn sie planen wieder ausserhalb des Hauses zu arbeiten. (Von offizieller Seite wird in Amerika jetzt ausschliessliches Stillen von 4-6 Monaten empfohlen und mindestens ein Jahr weiter zu stillen.)

Bei Tod des Kindes / Aufgabe zur Adoption / Frühgeborenem / behindertem Kind, sollte Trauerarbeit unterstützt werden. Betreuende sollten ihre wahren Gefühle zeigen und sich Zeit nehmen, den Sorgen, Befürchtungen und Reaktionen der Eltern zu zuhören. Die Eltern sollten ermutigt werden, ihre Kinder zu halten, da Körperkontakt den Trauerprozess fördert.

 
Die Doula

Die Beleghebamme

Das Geburtshaus

www.eeh-schweiz.ch